„Von Ufer zu Ufer: Wir halten zusammen!“ – fast 11.000 Menschen beim Jubiläum des CSD Ulm.Neu-Ulm

Was für ein Tag! Am Samstag, den 20. Juni 2026, haben fast 11.000 Menschen den Christopher Street Day Ulm.Neu-Ulm zu einem unvergesslichen Fest der Vielfalt gemacht. Nach rund 7.000 Gästen im Vorjahr bedeutet das einen neuen Teilnehmerrekord – und das ausgerechnet zum 15-jährigen Bestehen unseres CSD. Unter dem Motto „Von Ufer zu Ufer: Wir halten zusammen!“ sind wir gemeinsam über die Donau gezogen und haben anschließend auf dem Ulmer Münsterplatz gefeiert.

Eine Brücke über die Donau

Mit unserem diesjährigen Motto schlagen wir bewusst eine Brücke, die weit über die Donau hinausreicht. In einer Zeit, in der die gesellschaftlichen Risse tiefer werden, verwandeln wir die Distanz zwischen unseren beiden Städten in ein Symbol untrennbarer Verbundenheit. Unser Zusammenhalt ist die Antwort auf Diskriminierung und Ausgrenzung – egal, wen sie trifft. Ob wir an der Seite von trans Menschen stehen, Schutz für queere Geflüchtete einfordern oder uns innerhalb der Community den Rücken stärken: Unsere Gemeinschaft endet nicht am anderen Ufer – sie fängt dort erst richtig an.

Die größte Regenbogenfahne Deutschlands

Sichtbares Wahrzeichen des Tages war die nach unserer Kenntnis größte Regenbogenfahne Deutschlands – 122 Meter lang und 4,5 Meter breit. Rund 100 Menschen trugen sie wortwörtlich von Ufer zu Ufer, von Neu-Ulm nach Ulm. Ein Bild, das bleibt: ein kraftvolles Band aus Farben, das sich durch die Doppelstadt zog und sinnbildlich genau das verkörperte, wofür dieser Tag steht.

Deutschlands größte Regenbogenfahne auf der Herdbrücke in Ulm

Starke Worte von der Bühne

Den Auftakt der Grußworte machte Martin Ansbacher, Oberbürgermeister der Stadt Ulm. Er rief auch nicht-queere Menschen zu Zivilcourage gegen Hass auf und schloss mit einem Satz, der hängenblieb:

„Egal, wen du liebst – Ulm liebt dich!“

Schirmherr unseres diesjährigen CSD war Wojciech M. Urlich, Organisator des grenzüberschreitenden CSD Görlitz-Zgorzelec. Er betonte, der Christopher Street Day sei keine Parade, sondern eine Demonstration für Menschenrechte, und schlug eine Brücke zwischen Ost und West:

„Wir sind eine Community. Wir sind die Wächterinnen und Wächter der Grundrechte. Wir sind die demokratische Ader dieses Landes!“

Katrin Albsteiger, Oberbürgermeisterin der Stadt Neu-Ulm, würdigte den gemeinsamen Auftritt der Doppelstadt und betonte, der CSD sei weit mehr als ein buntes Fest – Vielfalt mache eine Gesellschaft nicht schwächer, sondern stärker. Man sei, so Albsteiger, „Stolz aufs andere Ufer“. Mit Blick auf die verbindende Donau brachte sie es auf den Punkt:

„Die Donau verbindet unsere beiden Städte seit jeher – geografisch, kulturell und gesellschaftlich. Dass wir heute gemeinsam für Vielfalt, Respekt und ein diskriminierungsfreies Miteinander einstehen, unterstreicht diese enge Verbundenheit auf eindrucksvolle Weise.“

Auch Community-Organisationen brachten ihre Anliegen auf die Bühne. Enris vom Mission TRANS* e. V. warnte vor einer geplanten Meldeverordnung für trans Personen: „Wieder einmal wurde über uns entschieden, statt mit uns.“ Daniel Ziegler (ILSE – Regenbogenfamilien im LSVD) sprach für Regenbogenfamilien:

„Meine Kinder brauchen keine Debatte über ihre Familie. Es braucht eine Gesellschaft, die sagt: Schön, dass du da bist.“

Und Julia Tietze und Daniela Fiedler von [U25] Biberach machten queere Menschen mit Blick auf Suizidprävention sichtbar: „Deshalb brauchen wir eine Suizidprävention, die niemanden ausblendet – auch keine queeren Menschen.“

Auch die evangelische Kirche zeigte Präsenz: Dr. Torsten Krannich, Evangelischer Dekan des Ulmer Münsters, richtete ein Grußwort an die Teilnehmenden – ein starkes Zeichen der Unterstützung aus den Reihen der Kirche.

Für einen besonderen Moment sorgte Claudia Roth, MdB, die an unserem CSD teilnahm und für ein kurzes Bühneninterview auf die Bühne kam. Sie erinnerte sich an ihren allerersten CSD – in New York, zu dem sie nach ihrem „Roth Report“ eingeladen worden war – und betonte, wie wichtig das Selbstbestimmungsgesetz für die Community sei. Augenzwinkernd verriet sie auf Nachfrage auch ihren Drag-Namen: Benedikta.

Enris von Mission TRANS* e. V., © MASH Fotografie
Daniel Ziegler von ILSE – Regenbogenfamilien im LSVD, © MASH Fotografie
Daniela Fiedler von [U25] Biberach, © MASH Fotografie
Julia Tietze von [U25] Biberach, © MASH Fotografie
Dr. Torsten Krannich, Evangelischer Dekan des Ulmer Münsters, © MASH Fotografie
Claudia Roth, MdB, © MASH Fotografie
Ein Bühnenprogramm voller Highlights

Moderiert von Divi Divine bot unsere Bühne ein generationenübergreifendes Programm. Der Popchor eröffnete den Tag und sorgte mit Stücken wie „Freiheit“, „You’re the Voice“ und „Auf uns“ gleich für Gänsehaut. Für große Begeisterung sorgten die Münchner D’Schwuhplattler, deren queere Tradition die meisten im Publikum zum ersten Mal erlebten, ebenso wie die K-Pop-Tanzgruppe FKV Dance aus Neu-Ulm, die bereits zum dritten Mal dabei war.

Mehrere Drag Shows brachten queere Bühnenkultur in die Stadt, Chansonnier Holger Edmaier (Projekt 100% MENSCH) überzeugte mit musikalischer Klasse. Zu den Höhepunkten zählte das gemeinsame Set von Musik-Comedy-Duo Suchtpotenzial und Countertenor Nils Wanderer – von Lady Gagas „Shallow“ bis zu einem mitreißenden Medley als Hommage an das legendäre Club Aquarium.

Divi Divine, © MASH Fotografie
D’Schwuplattler, © MASH Fotografie
D’Schwuplattler, © MASH Fotografie
Sassy D. Symphony, © MASH Fotografie
Misty Moonstone, © MASH Fotografie
Shirin Thunder, © MASH Fotografie
Popchor, © Popchor
Holger Edmaier, © MASH Fotografie
Crystal Stone D, © MASH Fotografie
FKV Dance, © MASH Fotografie
Suchtpotenzial, © MASH Fotografie
Julia Gámez Martín (Suchtpotenzial), © MASH Fotografie
Ariane Müller (Suchtpotenzial), © MASH Fotografie
Nils Wanderer, © MASH Fotografie
DJ Luke Miller, © MASH Fotografie
Pride Open Air bis in den Abend

Beim anschließenden Pride Open Air füllte DJ Luke Miller den Münsterplatz mit Clubmusik, zu der sich auch viele nicht-queere Gäste gesellten. Den fulminanten Abschluss bildete eine umjubelte Show der Berliner Drag-Ikone Sasha Glam.

Sasha Glam, © MASH Fotografie
„Ein Bild, das bleibt“

Unsere Vorsitzende Alexandra Kriebisch blickt bewegt zurück:

„Der CSD Ulm.Neu-Ulm am 20. Juni 2026 hat uns tief bewegt und überwältigt: So viele Menschen sind gemeinsam mit uns auf die Straße gegangen, um für Sichtbarkeit, Akzeptanz und ein respektvolles Miteinander einzustehen. Die Straßen waren erfüllt von Farben, Stimmen und einer spürbaren Kraft der Gemeinschaft – ein lebendiges Zeichen dafür, wie stark wir zusammen sind. Ein Bild, das bleibt – für Vielfalt, für Zusammenhalt und für die Hoffnung auf eine offene und gerechte Gesellschaft.“

Danke an unsere Ehrenamtlichen und Partner

Möglich gemacht wurde dieser Tag von einem großen Team Ehrenamtlicher: Über einen Monat hinweg haben unsere vielen Freiwilligen Dutzende Stunden in Planung, Aufbau und Durchführung gesteckt. Unterstützt wurden wir dabei vom Materialpartner Georg+Otto Friedrich, der den Stoff für unsere 122 Meter lange Rekordfahne bereitstellte. Ohne dieses Engagement und diese Unterstützung wäre ein Tag dieser Größe nicht denkbar – von Herzen danke!

Wir sagen Danke – allen, die mitgefeiert, mitgetragen, mitorganisiert und Haltung gezeigt haben. Ihr habt gezeigt, was Zusammenhalt bedeutet. Und wir freuen uns schon jetzt darauf, im nächsten Jahr wieder gemeinsam von Ufer zu Ufer zu gehen.

Gemeinsam stolz

Hinweis: In diesem Beitrag geht es unter anderem um das Thema Suizidprävention. Wenn es dir selbst nicht gut geht oder du jemanden kennst, der Unterstützung braucht: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123.