Am Freitagabend, den 10. Juli 2026, haben wir auf der Herdbrücke ein Zeichen gesetzt: Eine 50 Meter lange Regenbogenfahne spannte sich der Breite nach entlang der Brücke – in Sichtweite des Internationalen Donaufests. Unsere Botschaft: Grenzenlose Solidarität mit queeren Menschen im gesamten Donauraum und weltweit.
Um 19:00 Uhr war es so weit: Gemeinsam mit 21 Teilnehmer*innen haben wir die Fahne an der Herdbrücke befestigt – unter freiem Himmel und als sichtbares Statement direkt dort, wo an diesen Tagen die kulturelle Verbundenheit der Donauländer gefeiert wird.
Warum diese Aktion?
Das Donaufest zeigt, wie viel uns die zehn Länder entlang der Donau verbinden – kulturell, musikalisch, menschlich. Doch für queere Menschen offenbart sich entlang des Flusses ein tief gespaltenes Europa. Während wir hier in Ulm und Neu-Ulm zuletzt mit fast 11.000 Menschen den CSD feiern konnten, sind LGBTQIA+-Personen wenige hundert Flusskilometer weiter Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt ausgesetzt.
Die aktuelle Rainbow Map 2026 der europäischen Dachorganisation ILGA-Europe macht das deutlich: Fünf der zehn Donauländer liegen im unteren Viertel des europaweiten Rankings zur rechtlichen Lage queerer Menschen – die Slowakei, Ungarn, Bulgarien, die Ukraine und Rumänien, das damit das am schlechtesten bewertete Land der gesamten EU ist.

- In Ungarn wurden unter der Regierung Orbán Pride-Veranstaltungen verboten und die rechtliche Anerkennung von trans* Personen abgeschafft. Erst unter der neuen Regierung zeichnet sich vermutlich ein Ende der politischen Verfolgung ab – die diskriminierenden Gesetze sind jedoch weiterhin in Kraft.
- In der Slowakei erkennt die Verfassung nur noch „zwei Geschlechter“ an; eine rechtliche Geschlechtsanerkennung ist damit faktisch unmöglich geworden.
- In Bulgarien werden gleichgeschlechtliche Partnerschaften trotz Urteilen europäischer Gerichte nicht anerkannt.
- In Rumänien und Serbien fehlt jede rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare.
- In der Ukraine liegen zentrale Gesetzesvorhaben seit Jahren auf Eis – während queere Menschen ihr Land verteidigen.
Daran wollten wir erinnern. Denn Menschenrechte sind keine nationale Angelegenheit – und Solidarität darf nicht an Landesgrenzen enden.
„Wir vergessen niemanden“
„Die Donau fließt durch zehn Länder, ohne an einer Grenze haltzumachen. Genauso grenzenlos muss unsere Solidarität mit queeren Menschen sein. Wer auf der Herdbrücke den Regenbogen sieht, soll wissen: Wir vergessen niemanden – nicht in Budapest, nicht in Bukarest, nicht in Kyjiw.“
Alpay Artun, Vorsitzender von Pride Ulm.Neu-Ulm e.V.
Danke!
Ein großes Dankeschön an alle Teilnehmer*innen, die diese Aktion so kurzfristig möglich gemacht haben. Nach dem Rekord-CSD im Juni war dies ein weiteres starkes Zeichen dafür, dass unsere Region für Vielfalt, Akzeptanz und Gleichberechtigung einsteht – über alle Grenzen hinweg.
